The Gran Paradiso Roadhouse Club

Es gibt Menschen, die sammeln Briefmarken, andere bauen ihr Leben lang an Eisenbahnanlagen. Ich war schon in Wohnungen, in denen venezianische Masken im Wohnzimmer hingen oder eine Vitrine mit mehren hundert Stofftieren stand. Als ich zum ersten mal in der Wohnung von Claudio stand, konnte ich nichts von all dem entdecken. Eine durchgehend gestylte Wohnung mit viel Beton, pur, clean, ohne jeglichen Schnickschnack. Keine Sammelleidenschaften, keine unnötigen „Stehrümmchen“…

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Claudio hat ein Hobby, das eher einer Parallelwelt entspricht. Ich habe schon so einiges über Rollenspiele gelesen, sogenannten „Larp-Veranstalltungen“. Das gibt es von Ritterkämpfen, Sagen und Märchen, Zombie, Star Wars oder Cowboy und Indianer. Claudios Welt spielt in einer postapokalyptischen Zukunftswelt die der Erde nachempfunden ist. Was beim „Grossen Feuer“ (wie es von den Überlebenden oft genannt wird) genau passierte, ist eigentlich nicht wirklich wichtig und unter den meisten Bewohnern der „Neuen Welt“ unbekannt. Ob nun ein Nuklearschlag, der totale Zusammenbruch der Wirtschaftssysteme, eine nette kleine Klimakatastrophe, Meteoriten Einschläge, tödliche Säuchen oder alles Zusammen den „Ground Zero“ herbeigeführt haben, ist relativ egal, denn nur das Endergebnis zählt… die völlige Zerstörung der Zivilisation wie wir sie kennen. Die Erde ist nur knapp der absoluten Vernichtung entgangen und der klägliche Rest dieser Welt ist durch Verstrahlung, Verseuchung, dauernde Klimaveränderungen und vor allem durch Knappheit jeglicher Rohstoffe geprägt. Mangel ist einer der zentralen Punkte in einer endzeitlichen Welt wie dieser. Es mangelt nun ca. 150 Jahre nach der Apokalypse zum Beispiel an Wasser, Nahrung, sicherem Wohnraum, Brennstoffen, Kleidung… eben an fast Allem. Die Reste der Menschheit leben für gewöhnlich in einem Stadium, irgendwo zwischen der sozialen Entwicklung des „Wilden Westens“ und den technischen Überbleibseln der Zivilisation des frühen 21. Jahrhunderts. Einige wenige (noch funktionierende) Relikte stammen noch aus der Zeit kurz vor dem Ende und sind daher auf höchstem technischem Niveau. Das meiste jedoch was an Technik und Wissen, noch übrig ist, sollte vom technologischen und ideologischen Standard, ungefähr den 50er bis 80er Jahren entsprechen. Was in dieser Welt primär zählt ist das nackte Überleben und danach kommt lange nichts. Die Zähen und Harten haben ihren Weg gefunden, sich irgendwie durchzuschlagen. Alle anderen sterben früher oder später, ob durch Strahlung und Gift, weil ein Überlegener ihre kostbaren Relikte, ihre Wasservorräte oder einfach nur ihre Schuhe haben wollte. In dieser stark darwinistisch geprägten Welt überleben eben nur die Stärksten und Anpassungsfähigsten.

Als ich 1980 das erste mal von „Mad Max“ hörte, konnte ich mir nicht vorstellen, das es so etwas mal als Rollenspiel geben würde. Die Kostüme, die Bauten, die Fahrzeuge, all das war für mich so fantastisch und so fern der Realität. Jetzt lief vor einiger Zeit der 4te Teil von Mad Max und ich muss zugeben, das mich die Story wieder einmal eingefangen hat. Bei jeder Gelegenheit sprach ich mit Claudio über sämtliche Filme, die sich mit dem Thema beschäftigen. In der letzten Woche sind wir zwei dann losgezogen, damit mir Claudio einmal seine Welt zeigen konnte. Im „Grand Paradiso Roadhouse Club“ treffen sich an jedem zweiten Samstag mehrere Hundert Fans, die im Weltweiten Rollenspiel mitmischen. Es sind tausende, die mit präzise ausgearbeiteten Charakteren an diesem Spiel teilnehmen. An verschiedenen Orten, in verschiedenen Ländern. Zivilisten sind nicht zugelassen, also lege ich Kleidung an, die Claudio designet, baut und immer wieder überarbeitet. Auf der Fahrt dorthin denken wir uns eine Geschichte aus und tauchen ein, in eine für mich fremde und neue Welt, in ein Abenteuer das ich so schnell nicht vergessen werde…

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Part I:

Als ich aufwache, brummt mir der Schädel. Mir ist schlecht und mein Magen dreht sich. Es ist nicht der Schnaps, irgendwo selbstgebrannt und zig mal verlängert mit irgend einem Dreck. Mein Körper brennt, schreit nach Ruhe. Geschunden liege ich auf einer Pritsche, werde durchgeschaukelt durch die vielen Schlaglöcher der kaputten und übriggebliebenen Straßen. Zickzack fahren wir um Bombenkrater herum, altem Schrott, liegen gelassen von davon ziehenden Völkern auf der Suche nach etwas verwertbarem. Dann wieder Tagelang das absolute nichts. Strahlenverseuchtes Land, hier und da mal einen Kadaver, längst von Aas zerfressen und verwest. Nichts als der Tod…

Ich bin unterwegs mit einem Konvoi. Ein Haufen degenerierter Outlaws, die noch etwas Hoffnung haben. Verschiedene Kleine Gruppen von Händlern, Hetzern, den Lolas und „Megabosch“, einer Band die vom Wahnsinn unserer Zeit singt. Angeführt von einer Gruppe Söldnern, den Riffs. An ihrer Spitze steht Claud, der Alpha. Er gibt den Ton an, beschützt den Konvoi vor denen, die das wollen, was wir mit uns führen. Alles noch so kleine Teil ist brauchbar. Alles wird verwertet, es wird nichts mehr neues geben. Und es wird alles immer weniger. Für eine Zigarette wird gemordet, für eine Dose Dörrfleisch bringen sie ganze Familien um.

Claud hatte mich gefunden, als sie von Bunkersprings  kamen. Der Konvoi war schon einige Zeit unterwegs. Ich lag mitten in der Wüste. Fast verdurstet, nahezu verhungert. Ich war ausgeraubt worden, von den Dustern, einer umherziehenden Truppe, die Nahrung suchten. Als reisender Händler habe ich so einiges zu bieten. Es lohnt für andere, mich zu überfallen. Ohne Schutz ist es Wahnsinn durchs Land zu ziehen. Selbst wenn man wie ich bis an die Zähne bewaffnet ist. Vom Truck herunter hatte er nur meine Stiefel gesehen, die unter einer alten Reklametafel für eine Motorradmarke hervor lugten. Als er daran zog, kam ich zum Vorschein, verprügelt, halb nackt und fast verblutet. Meine Waren waren gestohlen. Ich hatte 2 Tage zuvor noch einen alten Bestand an Nägeln getauscht, das ist wie eine eigene Währung. Kaum rostig, in verschiedenen Längen. Dazu Werkzeuge, Decken, sauberes Wasser und jede Menge Nahrung. Und eine Stange Zigaretten. Gold wert. Die krönende Flasche echten ungestreckten Jack Daniels hatte ich selbst getrunken. Die Sonne und die Hitze gaben mir wohl den Rest, so das ich die Duster nicht bemerkte, als sie sich näherten. Selbst die Schläge und Tritte bemerkte ich kaum, so besoffen war ich. Tot geglaubt warfen sie mich in den Graben und schmissen noch die Reklame auf mich. Ein Umstand, dem ich nicht nur mein Leben, sondern auch meinem Namen verdanke, da Claud sich entschied, mich nach dem lesbaren Teil der Motorradmarke zu nennen. Er selbst ist aus Angelfalls, im Norden. Hat sich hochgearbeitet sagt man. Seine Truppe vertraut ihm. Vertrauen ist selten und wichtig. Die Truppe gehorcht, führt aus, stellt keine Fragen. Ich selbst habe vor ein paar Tagen bei einer Häuserdurchsuchung die Gruppe begleitet. In Rüstung, bewaffnet, wie früher. Die Waffen sind eigenwillig. Tötungsmaschienen, die präzise arbeiten. Oft selbstgebaut von ihren Trägern. Ich hatte mich für eine abgesägte Schrotflinte entschieden. Schwer nachzuladen, weil der Verschluss klemmt. Aber es ist ein Geschenk, auf das ich angewiesen bin. Dazu eine Machete; als Hauptwaffe eine Armbrust. Ich werde dafür belächelt von den Söldnern. Sie haben alle vollautomatische Waffen, Großkalibrig mit hoher Durchschlagskraft. Meine Waffe ist dafür leise. Die Pfeile und Bolzen baue ich selbst. Für den Anfang wird meine Ausrüstung reichen, wenn ich das hier überlebe, werde ich mich neu orientieren müssen. Claud wird mir das eine oder Andere vorstrecken sagt er. Dafür muss ich ihm Dinge tauschen, wenn wir Menschen treffen. Das kann ich gut. Er hält mir dabei den Rücken frei, falls es Ärger gibt. An den Schutz könnte ich mich fast gewöhnen, niemals aber an den Gestank seiner Leute.

Wir fahren zum Roadhaus, einer üblen Spelunke und Treffpunkt der wildesten Horden. Es liegt im Westen, südlicher von Angelfall, mehrere Tagesreisen entfernt. Keiner weiß das so genau, weil Zeit einfach keine Rolle mehr spielt. Als wir ankommen, gibt es sofort Ärger, da die „Sons of Ma Drescher“ Bruderschaft den Laden übernommen hat. Sie bestimmt, wer da rein darf und wer nicht. Aber wir haben „Megabosch“, wir haben die Frauen. Die „Lolas“ sind bekannt, reisen umher und verdienen sich ihr überleben mit Tanzen, schnellem Sex und „Versprechen“. Angeführt von einem üblen Zuhälter, der jedoch unter Claud`s persönlichem Schutz steht. Die „Sons“ respektieren Claud, die „Lolas“ lieben sie jedoch und schnell wird klar, wie der Abend weiter verlaufen wird. Also gehe ich hinein und schaue was passiert…

Wenn Ihr mich seht, ich spreche Eure Sprache. Vielleicht habe ich etwas dabei, was Ihr gebrauchen könnt. Vielleicht habt Ihr etwas, was mich überleben lässt.

Man nennt mich „Davidson“ und ich freue mich, das ich Euch gefunden habe…

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Die Bilder sind vom Fate, vom Bunker Springs, von Claudio Oliverio und aus dem Roadhouseclub. Bildrechte bleiben bei den Fotografen.

 

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